Na klar! Schon wieder Arschkarte gezogen (Sorry fur das Wort, wird ja wahrscheinlich vom Zensor gelöscht und durch “Bin so froh!” oder ähnliches ersetzt)! Muss 6 Vortrage und 1 NGO protokollieren!
Überhaupt keine Lust!
Historischer Tag – 50. Champions League Finale in Istanbul, Milan vs. Liverpool.
Der Morgen fing wie üblich an – nichtaufstehenwollen/abermüssen, Dusche, Kaffee und Brotchen mit Schinken und Käse bei der netten Dame im Lokal ums Eck, Bus Nr. 4 oder 5 (egal, passen ja beide).
Schade, keine Marschrutkas in HH.
Noch ein Kaffee in der Mensa geholt, zu blöd, Pappbecher zu nehmen – selber Schuld, muss den Becher zurückbringen.
Schon die 5. oder 6. Zigarette in der Hand…
Das Seminar selber war spannend. Äusserst interessant. Habe nur wenig mitgekriegt, da nur rumgeschrieben, wie der Teufel – 10 Georgier und 10 Deutsche in der Diskussion… Eigentlich waren es ja nur 3 Personen von der jeweiligen Seite, aber trotzdem – die georgische Diskussion ist ein echtes Chaos (selber Georgier, weiss besser als ihr!)
Die Abschlussdiskussion war explosionsgefahrlich. Aber alles hat gut geklappt. Sogar Wünsche, im nachsten Jahr weiterzumachen. Werde ich auch gerne, bin aber zu faul fur die Organisierung. Werde ja sowieso helfen…
Kleine Pausen (mehrere) zum rauchen und trinken (Cola oder Wasser, natürlich) benutzt. Anschliessend – Mensa! Freu mich schon. Ein polnisches Madchen kennengelernt. Sie erzahlte von ihrem georgischen Freund. Freut mich sehr, höfliches Lacheln. Warum auch nicht? Volkerfreundschaft, EU-Annäherung.
Es gibt viele Georgier in HH. Wie sie wohl aushalten? Hab vergessen, Inga zu fragen. Stellt euch den Unterschied vor – Tbilissi, voller Lärm, wie im “Apocalypse Now” von Coppola, und Hamburg – ruhing und geräuschlos, wie “City Lights” von Chaplin. Zu ruhig fur die lauten, chaotischen Georgier. Vielleicht auch gut, da lernen wir was – Ruhe…
Handys, die nicht klingeln; Hunde, die nicht bellen; Autos, die nicht hupen; Leute, die nicht schreien; Vogel, die nicht fliegen…
Nur die Kirchenglocken lauten. Jeden Morgen. Ganz angenehm. Freue mich, dass das keine Muezzins sind.
In der Mittagspause rumgelaufen. Ist ja auch nichts neues, ich bin in HH während dieser Seminare schon so viel gelaufen, dass, wenn ich ein Auto wäre, musste mir man schon das Motoröl auswechseln.
Treffpunkt – Bahnhof. Turisteninformation. Mussen dann zum Schwulen Infoladen “Hein & Fiete” gehen… Oh, das war ja aber ein Thema!!! Die deutschen erwarteten einen Schock der georgischen Seite. Der Schock hat sich nicht verspätet, war sogar früher da. Jemand ist sogar nicht mitgekommen… Einer musste sich während des Interviews ubergeben (glaube ich, sah ganz danach aus). Der arme schwule Kai – niemand wollte in seiner Nahe sitzen. Hätt´ ich vielleicht machen können, aber hab dieses verdammte Protokoll geschrieben (ACHTUNG! Zensur, hier auch löschen, bitte!)
Habe mich naturlich verlaufen, da Durst gehabt, Wasser gekauft. Niemand hat auf mich gewartet. Stellt euch vor – in einem moslemischen Viertel läuft ein verrückter Georgier und fragt nach den Schwulen… Auch nette Damen mit Kopftuch! Sie dachten, es sei neue Anmache.
Gott hat mich gerettet, sonst weiss niemand, was mit mir passiert wäre…
Naturlich kamen wieder peinliche Fragen, wie damals, bei “Hinz und Kuntz”. Aber das ist eine andere Geschichte, vom anderen Tag und vom anderen Protokoll bzw. Tagebuchführer.
Allgemein war das doch noch OK, sagte Kai. Genauso, wie in der Uni vor kurzem.
Auch gut.
Jetzt schnell duschen, und in einer Stunde Restaurant. Gleichzeitig Fussball, anschliessend ist Bar oder Club geplant.
Vor dem Duschen noch ein Kaffe, angenehmes Gesprach mit Marco – generelles über Georgien, Georgier, unsere Mentalität etc.
Zweite Schachtel an diesem Tag aufgemacht. Dabei ist der Abend noch so jung (hab diese Redewendung immer gehasst).
So, U-Bahn (oder S, keine Ahnung, werde nie verstehen, wie kann in so einem ordentlichen Land so ein chaotisches System geben). Sternschanze. Poster auf dem Zaun – MOBY!!! Konzert, am 24. Mai! D.h. gestern… Super, jetzt sind die Uberreste der guten Stimmung uberhaupt weg…
Das Pale war sehr toll. Das Essen – ausgezeichnet, ich habe mich gefreut, dass man das Schwein nach meiner Bestellung geschlachtet und vorbereitet hat. Sowie das Bier wurde wahrscheinlich auch gleich gebraut. Deswegen hatte ich die Verspätung von ca. 1 Stunde auch nicht gemerkt.
Die Zeit verging aber schnell – vor dem Bildschirm, wo das Fussballschpiel aufgeführt (ja, ich weiss, Passivform – “worden war”. Ich mag aber poetische Sentenzen). Es war ein tolles Spiel! Schade, dass ich kein Fan bin. Egal, hab gegen alle fur Liverpool gestanden – und gewonnen.
3. Schachtel. Das ist schon zu viel auch fur mich.
Kleiner Streit in der georgischen Gruppe. Nicht sehr wichtig, eher eine Diskussion. Mit den Politikern. Vom Tisch gekriegt. Ist ja auch nicht öffentlich. Moby ware ganz toll… Na gut.
Spaziergang weiter, weg vom Lokal, ins andere – Nouar. Unterwegs gepfiffen – alle möglichen Melodien, die ich kannte oder nicht kannte. Stimmung geht bergauf.
So, womit anfangen? Um bald betrunken zu werden, muss man alles ausprobieren. Hab angefangen. Sehr heiss in diesem Club. Das Klo lange gesucht, obwohl an der Tür ganz kitschige Herren-Hausschuhe genagelt waren.
Alkoholkonsum ist angestiegen, Temperatur auch, Stimmung – 100%… Schade, dass wir nur einen Tisch kaputtgemacht haben. War echt toll. “Jetzt klappt der Austausch endlich ganz gut!” – laut unserer Koordinatorin. Voll der gleichen Meinung. Vor allem, als ich gesehen habe, was mit den Leuten los war… Na, muss ich ja nicht erzahlen, ihr wart alle da 
Wollte nicht mehr nach Hause gehen. Habe wahrscheinlich geahnt, was mich erwartete…
90 Minuten langer freier Spaziergang durch Mitternachts-Hamburg. Auf allen Haltestellen gewartet. Jetzt weiss ich, dass ich sogar im Gehen einschlafen kann. Tolles neue Skill (engl.), wenn ihr wisst, was ich meine. Gegen 5 (Morgens) endlich zu Hause angelangt. Aber das war schon der andere Tag…